Transferpreisstudie 2018
 

Transferpreise zwischen Unternehmenssteuerung, BEPS und Digitalisierung

In der Transferpreisstudie 2018 beleuchten Flick Gocke Schaumburg und die Managementberatung Horváth & Partners erneut das Spannungsfeld der internationalen Verrechnungspreise. Die zweite empirische Erhebung nach 2015 nimmt dabei besonders Transferpreise unter dem Aspekt der betriebswirtschaftlicher Steuerung einerseits und der steuerrechtlichen Anforderungen andererseits in den Blick und berücksichtigt dabei vor allem auch den Einfluss der Digitalisierung auf die Verrechnungspreise. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie stellen wir Ihnen im Folgenden kurz vor.

Wesentliche Ergebnisse der Transferpreisstudie 2018

Notwendigkeit der Gewinnabgrenzung

Steuerrechtlich besteht die Notwendigkeit der Gewinnabgrenzung zwischen Konzerngesellschaften. Dies erfolgt durch Bestimmung von Verrechnungspreisen für alle konzerninternen Lieferungs- und Leistungsbeziehungen, die unter Beachtung des Fremdvergleichsgrundsatzes festzulegen sind.

Spannungsfeld

Die empirische Studie zielte darauf ab, das Spannungsfeld zwischen der steuerrechtlichen Anforderung der Einhaltung des Fremdvergleichsgrundsatzes und der betriebswirtschaftlichen Steuerung näher zu untersuchen und hier insbesondere die BEPS-Einflüsse und Digitalisierung zu erfassen.

Wesentliche Ergebnisse

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Eignung von Verrechnungspreisen für wesentliche Aspekte der Unternehmenssteuerung – der Schaffung von Transparenz, der Unterstützung von Entscheidungen, der Gestaltung von Anreizsystemen und der Ressourcenallokation – gegenüber den Ergebnissen aus 2015 deutlich zurück gegangen ist. Zurückzuführen ist dies wohl in erster Linie auf die gestiegenen Compliance-Anforderungen in der Folge der Umsetzung der aus dem BEPS-Projekt der G20/OECD hervorgegangenen Empfehlungen in nationale Rechtsvorschriften. Hierdurch werden andere Kennzahlen zur Steuerung von Unternehmen wichtiger. KPI-Systeme müssen häufig überarbeitet werden.

Verrechnungspreise werden nicht zur steuerlichen Optimierung eingesetzt. Im Vordergrund steht die Compliance und damit die Einhaltung des Fremdvergleichsgrundsatzes.

Für die Fertigung von Vorprodukten sowie Erbringung von Dienstleistungen verwendet die Mehrzahl der befragten Unternehmen die Kostenaufschlagsmethode (74 bzw. 71 Prozent) und die Preisvergleichsmethode (12 bzw. 13 Prozent). Eine Methodenvielfalt ergibt sich hinsichtlich der Bestimmung der Verrechnungspreise für die Lieferung von Fertigprodukten. Hier kommen insbesondere die Wiederverkaufspreismethode (24 Prozent) sowie die transaktionsbezogene Nettomargen- und Gewinnaufteilungsmethoden (zusammen 26 Prozent) zur Anwendung. Die Überlassung von immateriellen Wirtschaftsgütern (z.B. Marken, Patente) wird vorrangig anhand der Preisvergleichsmethode vergütet. Bei der Entwicklung von immateriellen Wirtschaftsgütern findet überwiegend (80 Prozent) die Kostenaufschlagsmethode Anwendung.

Verrechnungspreise sind weiterhin ein Hot Topic in Betriebsprüfungen, wobei sich die Schwerpunkte der Themen seit 2015 etwas verlagert hat. Abrechnungen gegenüber Vertriebsunternehmen sind bei 41 Prozent der befragten Unternehmen im Fokus und damit nahezu unverändert gegenüber 2015. Kritischer geprüft wird insbesondere die Erbringung von Dienstleistungen (jetzt 48 Prozent gegenüber 37 Prozent in 2015), die Überlassung von immateriellen Wirtschaftsgütern (jetzt 41 Prozent gegenüber 34 Prozent in 2015), die Änderung von Funktions- und Risikoprofilen (jetzt 32 Prozent gegenüber 23 Prozent in 2015) und Finanzierungsbeziehungen (jetzt 35 Prozent gegenüber 31 Prozent in 2015). Lieferbeziehungen für vorgelagerte Produktionsstufen bleiben hingegen nahezu unverändert bei rund einem Viertel.

Verrechnungspreiskorrekturen führen zu Doppelbesteuerungen, die häufig durch Verständigungsverfahren nachträglich beseitigt werden können. Ein Drittel der befragten Unternehmen hat bereits Verständigungsverfahren führen müssen, was eine Steigerung von 50% gegenüber 2015 entspricht.

Die Digitalisierung führt zwar zu erheblichen Veränderungen in den Wertschöpfungsketten von Konzernen. Gleichwohl sind dadurch notwendige Veränderungen in Verrechnungspreissystemen noch in einer Startphase. Auch zeigt sich, dass die IT-Landschaft bislang eine sehr geringe Unterstützung bei der Kalkulation und Dokumentation von Verrechnungspreisen bietet.