Für insgesamt vier Wochen war Jan Frieso Brodersen im Rahmen eines Lexchange Secondments bei unserer Partnerkanzlei Arsene in Paris. Wie er die Zeit in Frankreich erlebt hat, welche Eindrücke er gesammelt hat und was er Kolleginnen und Kollegen für ein eigenes Secondment rät, erzählt er im Interview.
Flick Gocke Schaumburg: Herr Brodersen, Sie sind Secondee des neuen Lexchange-Austauschprogramms. Können Sie uns etwas über sich und Ihren fachlichen Hintergrund erzählen?
Jan Frieso Brodersen: Ich habe direkt nach dem Studium vor acht Jahren bei FGS angefangen. Ich arbeite im Bereich des Unternehmens- und Konzernsteuerrechts im Team von Bernhard Liekenbrock – seit 2020 als Steuerberater. Ein Schwerpunkt meiner Beratungstätigkeit bildet aktuell Pillar 2, also die globale Mindeststeuer. Ansonsten berate ich zu diversen Fragestellungen im Bereich des Unternehmens- bzw. Konzernsteuerrechts sowie des internationalen Steuerrechts und betreue ein Familienunternehmen und einzelne Gesellschafter in der laufenden Steuerberatung.
Das Lexchange-Programm ermöglicht es, vier Wochen lang in einer Taxand-Kanzlei im Ausland zu arbeiten. Wieso haben Sie sich für Arsene bzw. Frankreich entschieden – und wie fällt Ihr erster Eindruck aus?
Ich mag Frankreich – sowohl Land und Kultur als auch Leute. Und es bestanden bereits im Vorfeld Kontakte zu Arsene. Als dann die Ausschreibung von Arsene kam, habe ich nicht lange gezögert. Der Bewerbungsprozess war übrigens sehr schlank und unkompliziert. Ich empfinde das Secondment als sehr bereichernd. Durch die neue Umgebung gewinnt man unglaublich viele Eindrücke und bekommt neue Impulse, sowohl fachlich als auch abseits der Arbeit.
Ein zentrales Ziel des Lexchange-Programms ist der persönliche und fachliche Austausch im Taxand-Netzwerk. Wie wurden Sie von den französischen Kolleginnen und Kollegen aufgenommen? Haben Sie bereits Ideen für gemeinsame Initiativen während Ihres Aufenthalts, etwa in Form eines Fachbeitrags, Webinars oder Workshops?
Das Betriebsklima bei Arsene ist wirklich sehr gut und familiär, sodass ich mich von Beginn an wohlgefühlt habe. Im Nachhinein habe ich auch erfahren, dass das etwas ist, wofür Arsene im Pariser Rechtsmarkt bekannt ist. In Bezug auf die Initiativen haben wir einen internen Workshop über den Vergleich ausgewählter Aspekte des Steuerrechts in Frankreich und Deutschland geplant. Daneben gibt es erste Ideen für weitere Aktivitäten für die Zeit nach dem Secondment.
“Das Lexchange-Programm ist eine wunderbare Gelegenheit, persönliche Kontakte und Beziehungen zu knüpfen."
Jan Frieso Brodersen
Während Ihres Secondments arbeiten Sie weiterhin an Mandaten von FGS, gewinnen aber auch Einblicke in die fachliche Arbeit bei Arsene. Gab es bereits die Möglichkeit, Ihre Expertise in französische Mandate einzubringen?
Ja. Die Mindeststeuer beschäftigt natürlich auch viele französische Unternehmen. In diesem Zusammenhang konnte ich mich, denke ich, ganz gut einbringen. Daneben berät Arsene mit dem German Desk deutschsprachige Mandanten. Als Muttersprachler ist man da natürlich gefragt.
Welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede nehmen Sie im Vergleich zur Arbeitsweise bei FGS wahr?
Im Großen und Ganzen sind die Arbeitsweisen und die Kanzleikultur sehr ähnlich. Natürlich gibt es aber auch Unterschiede. Das liegt zum Beispiel schon an der Kanzleigröße. Knapp 200 Menschen arbeiten bei Arsene und es gibt nur diesen einen Standort in Paris – einen übrigens wirklich sehr modern und ansprechend gestalteten. Interne Abstimmungen können somit eigentlich immer in Persona stattfinden. Bei FGS arbeite ich hingegen viel mit Kollegen von anderen Standorten zusammen, weshalb interne Abstimmungen über Microsoft Teams einen viel größeren Raum einnehmen. Bei Arsene sind die Teams zudem partnerübergreifend organisiert und praktisch ausschließlich steuerrechtlich beratend tätig.
Wie verbringen Sie Ihre Ihre Freizeit in Paris?
Jeder, der schon mal in Paris war, wird sicherlich wissen, dass das gastronomische und kulturelle Angebot grandios ist. Man unternimmt abseits der Arbeit somit sehr viel mehr als zu Hause im Alltag – zumal vier Wochen ein begrenzter Zeitraum sind. Bei Arsene gibt es zudem diverse Sportgruppen und andere Clubs. Beim Running Club – mit professionellem Trainer! – habe ich gerne mitgemacht. Und ich habe seit längerer Zeit mal wieder ein bisschen Fußball gespielt.
Bei Arsene gibt es verschiedene Sportgruppen und Clubs. Besonders am Running Club mit professionellem Trainer hat Jan Frieso Brodersen sehr gerne teilgenommen.
Was würden Sie Kolleginnen und Kollegen raten, die ebenfalls ein Lexchange-Secondment in Betracht ziehen?
Auf jeden Fall „machen“! So viele Möglichkeiten gibt es in unserem Berufsbild ja nicht, im Ausland zu arbeiten. Ansonsten: ein Fahrrad mitnehmen oder vor Ort besorgen. Eine wunderbare Möglichkeit die Stadt zu erkunden.
Wo sehen Sie das Lexchange-Programm in einigen Jahren – welche Rolle könnte es im internationalen Taxand-Netzwerk spielen?
Das Taxand-Netzwerk lebt von den persönlichen Kontakten und Beziehungen. Und das Lexchange-Programm ist eine wunderbare Gelegenheit, diese zu knüpfen. Da es so niederschwellig für alle Beteiligten ist, denke ich, dass es auch weiterhin gut anlaufen und sich etablieren wird.